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20 Jun 2011

Sozialdumping durch chinesische Betriebe in Polen. Alle verlieren dabei!

Derzeit bereitet sich Polen auf die Fußball-Europameisterschaft, EURO 2012 vor, die in Polen und Ukraine ausgetragen wird. Um verschiedene Städte miteinander zu verbinden, muss Polen zusätzliche Autobahnen bauen. Für den Bau eines Teilstücks der A2, der Warschau und Berlin, die Hauptstadt Polens bzw. Deutschlands, mit einander verbinden muss, beteiligte sich das chinesische staatliche Unternehmen COVEC am Ausschreibungsverfahren. Zur Überraschung aller bot das chinesische Unternehmen einen Preis, der 30% unter dem der Preisangebote polnischer oder europäischer Unternehmen lag. Trotz großer Skepsis vieler akzeptierten die polnischen Behörden das chinesische Preisangebot.

Bereits beim Start der Bauarbeiten tauchten ernsthafte Probleme auf den Baustellen auf. COVEC versuchte, sein niedriges Preisangebot auf die lokalen Subunternehmer abzuwälzen. Demzufolge weigerten sich viele Subunternehmer für COVEC zu arbeiten, weil sie mit dem von COVEC vorgeschlagenen Budget unmöglich ihre gesetzlichen Pflichten erfüllten konnten. Nach schweren Verzögerungen beantragte der chinesische Betrieb bei den polnischen Behörden eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis für 800 chinesische Arbeiter. Nach drei Monaten sahen die polnischen Behörden ein, dass die Autobahn unmöglich fristgemäß fertig sein konnte und kündigten sie den Vertrag mit COVEC. Der polnische Staat reichte einen Antrag auf Schadensersatz in Höhe von 186 Mio. EUR gegen COVEC ein, aber dieser weigert sich, die Konventionalstrafe zu bezahlen.

Trotz früherer Warnung über den ungewöhnlich niedrigen Preis im Angebot beschlossen die polnischen Behörden, sich für den niedrigsten Preis zu entscheiden. Durch die Nichtbeachtung der vorgeschriebenen Mindestlöhne und der Sicherheits-, Gesundheitsschutz- und Qualitätsaspekte haben die polnischen Behörden gespielt und verloren! Jetzt gibt es nur noch Verlierer. Die Autobahn wird viel mehr als ursprünglich vorgesehen kosten. Die Bauarbeiten werden nicht rechtzeitig abgeschlossen sein. Die chinesischen Arbeiter werden zurück nach China geschickt und verlieren ihre Beschäftigung in Polen.

Anmerkung: Die EU diskutiert momentan über eine Lockerung des Zugangs von Nicht-EU-Betrieben zum europäischen Arbeitsmarkt. Ohne ernsthafte Kontrollen und geeignete Sanktionen wird es noch mehr Fälle wie den von COVEC in Europa geben.

Die Europäische Föderation der Bau- und Holzarbeiter (EFBH) vertritt 75 nationale Gewerkschaften aus 31 Ländern. Die EFBH ist ein anerkannter europäischer Sozialpartner im Bau-, Holz- und Möbelsektor.

Ansprechpartner für weitere Auskunft:
Werner Buelen
Tel: +32 (0)2 227 10 40/45
Fax: +32 (0)475 84 06 48
wbuelen@efbh.be

Pressemitteilung - 20.06.2011

Schlagwörter für diesen Eintrag:  Sozialdumping



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